Standpunkte

50 Jahre FDP Kiedrich

23.09.2018

1968 - 2018 Die FDP Kiedrich feiert 50 Jahre ihres Bestehens! Es war nicht immer einfach...….für den politischen Liberalismus in Kiedrich Rückblick und Ausblick (Anne Linke-Diefenbach, Vorsitzende)


 

50 Jahre FDP Kiedrich: Zeitreise in die Vergangenheit…

                            Rückblick und Ausblick

Im Jahr 1968, genauer am 9.8.1968, findet sich der erste gleichsam urkundliche Beleg über einen FDP Ortsverband Kiedrich: Dieser schickte sich laut Zeitungsmeldung Im Wiesbadener Tagblatt an, zur Kommunalwahl am 20.10.1968 erstmals mit eigener Liste anzutreten.

Gegründet wurde der Ortsverband zuvor von sechs  Kiedricher Bürgern: Carola und Robert Weil, Theresia und Werner Ganns, sowie Nikolaus Kroneberger und Franz Uber. Die FDP Kiedrich brauchte auch in ihren Gründungsjahren keine Frauenquote! Das genaue Gründungsdatum wissen wir bis heute nicht wirklich, deshalb begehen wir dieses Jahr eben auch  das 50-jährige Jubiläum  dieser allerersten FDP-Kandidatur zur Gemeindevertretung in Kiedrich- in schöner Tradition nach 1988 (20 Jahre), 1993 (25 Jahre) und 1998 (30 Jahre) Die erste und einzige Nachkriegskandidatur von Liberalen zuvor in Kiedrich geschah zur Kommunalwahl 1948 noch unter dem Kürzel der LDP.

In jenem nicht nur für die FDP so schicksalhaften Jahr 1968 – Walter Scheel löste Erich Mende als Bundesvorsitzenden der FDP ab- Genscher,  Mischnick und Dahrendorf prägten neben ihm  fortan den politischen Liberalismus in Deutschland. Unvergessen der Disput von Prof. Ralf Dahrendorf mit dem Studentenführer Rudi Dutschke auf dem Dach eines VW-Busses anlässlich des Bundesparteitages Ende Januar 1968 in Freiburg. Slogan der FDP damals : Wir schaffen die alten Zöpfe ab.  Wenige Wochen später geschah das Attentat auf  Dutschke. Die 68er Bewegung der Studenten erreichte mit all ihren positiven und auch negativen Facetten im Sommer und Herbst des Jahres ihren Höhepunkt.

Aber zurück nach Kiedrich: Man kandidierte und schickte mit der Spitzenkandidatin Hilde Sonnleitner eine wortgewaltige und äußerst sachkundige Frau ins Parlament- seinerzeit eine kleine Sensation- der Kreistagsabgeordnete Robert Weil und später Josef Grebert als Mitglied des Gemeindevorstands vervollständigten  die Liberalen in den Gemeindegremien.

Erstaunlich aktuell waren die Wahlaussagen der FDP Kiedrich in jenen ersten Jahren, u.a. :

·      -Für die Einrichtung eines Kinderhorts für berufstätige       Elter
·  Verbesserung der Spiel- und Sportmöglichkeiten für
   die Jugend

·      die Sanierung bzw. Erneuerung der Kanalisation

da hatten wir vor nicht allzu langer Zeit immer noch mit zu tun

·      für eine koordinierte Weinwerbung durch den Verkehrsverein

·      für die Dorfverschönerung insbes. der historischen Plätze

·      die Eltviller Nordumgehung so  gestalten, dass Kiedrich nicht abgehängt wird…….

Leider gibt es kaum Fotos bzw. Artikel aus jener Zeit, aber den Erinnerungen des Bürgermeisters a.D. Siegfried Siems ist zu entnehmen, dass der Beigeordnete Josef Grebert ihm ein wichtiger Ratgeber  vor allem in Bezug auf bauliche Angelegenheiten gewesen sei : Man habe seinerzeit gemeinsam den Brunnen auf dem Marktplatz geplant und realisiert und die ersten historischen Straßenlaternen von einem Schmied anfertigen lassen. Zuvor , nämlich im Jahr 1973 war der Sozialdemokrat Siegfried Siems mit den Stimmen der FDP zum Bürgermeister gewählt worden, eine Tatsache, die bei manchen Sozialdemokraten in Vergessenheit geraten ist! Neben Grebert im Gemeindevorstand  waren mittlerweile Ulrich Krüger und Robert Weil Mitglieder der Gemeindevertretung. Einem Wahlaufruf von 1977 ist zu entnehmen, dass die FDP weder ein Anhängsel der SPD sei noch  der CDU nach dem Mund rede. Vielmehr warb Krüger 1977 für eine höhere Walbeteiligung und um mehr Stimmen für die FDP, um insbesondere „unselige oder selbstherrliche“ absolute Mehrheiten zu verhindern. Letzteres ist bekanntermaßen bis heute nicht gelungen. Auf dem  Wahlvorschlag der FDP von 1977 finden sich acht männliche und vier weibliche Bewerber, darunter auch Ruth Bellinghausen. die kurz darauf zur Ortsverbandsvorsitzenden gewählt wurde. Mit ihr beginnt eine Ära des besonderen  „liberalen gesellschaftlichen Lebens“: Man lädt ein zu politischen Dämmerschoppen, zum Preiskegeln, zu Skatturnieren  oder zum Kreppelkaffee  und nimmt teil am Kiedricher Rosenmontagszug.  Später sollten die Benefiz-Flohmärkte und der immer noch aktuelle Jazz-Frühschoppen folgen. Bürgermeister a.D. Siegfried Siems erinnert in seinem Glückwunschschreiben  an die zahlreichen FDP-Repräsentanten aus Bund und Land, die er habe begrüßen können, manches Mal im Weingut Robert Weil, oft auch im Rathaus: Den damaligen  Außenminister Walter Scheel, wiederholt den ehem. FDP-Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag Wolfgang Mischnick,den späteren Bundesvorsitzenden Dr. Wolfgang Gerhardt, um nur einige zu nennen Auch die hessischen Minister Karry und Gries ,die Ehrenvorsitzende der Hess. FDP  Ruth Wagner – sie wäre gerne heute gekommen, hatte aber anderweitige Verpflichtungen- und last but not least Michael Denzin kamen immer wieder gerne ins gotische Weindorf, nicht zu vergessen die Miss Ellie im Deutschen Bundestag, unser Kiedricher Ehrenmitglied Dr. Inge Segall

Ja, es wurde gerne und viel und oft gefeiert bei den Kiedricher Liberalen: Unsere insgesamt 12 Benefiz-Flohmärkte  in der Alten Schmiede machten Spaß bis uff die Gass‘, es gab Kaffee , Kuchen und mehr , und sie brachten tolle Erlöse von mehr als 25 000  DM , die der Jugendarbeit der Vereine, der Gemeindebücherei, dem Kinderschutzbund, den Kiedricher Kindergärten und unserer Grundschule zu Gute kamen. Blau gelbes Kaiserwetter trug viel zum Gelingen unserer Veranstaltungen bei! Viele sind ja überzeugt : Petrus muss ein Kiedricher sein  , er muss auch tief in seinem Herzen ein Liberaler sein, das glaube ich ganz fest   - denn auch unsere Jazz-Frühschoppem am 1. Mai waren seit 1995 nur  zwei Male etwas feucht und nass! Übrigens: Unser Flohmarkt und unser Jazz-Frühschoppen waren als einmalige Veranstaltungen gedacht: Der Jazz-Frühschoppen am 1.Mai 2019 wird der 25. sein -wieder ein Grund zum Feiern oder?! Solch Europäische Weinprobe wie 1994 bietet sich auch an!

Wunderbar als Jury bei der Schnorrer Rallye und gar nicht zu toppen: die Rosenmontagszüge in Kiedrich, da durften wir lange Jahre nicht fehlen, immer mit lokalpolitischem Bezug, ob auf dem Wagen oder zu Fuß,  mal arme Würstchen, mal als griechische Götter, die vom Olymp auf die Dreispitz umsiedeln wollten, mal knurrten wir als Wadenbeißer durchs Dorf (so bezeichnete uns der damalige Bürgermeister), mal als Müllmänner, schöner waren wir als Schneewittchen mit den 7 Zwergen… Wir machten uns stark für die Gemeindebücherei und für den Erhalt unserer Grundschule und wollten mit unserer Virchow-Quelle die Bad Kiedrich - Zeiten wieder aufleben lassen  Sie merken schon, alles ist und war im besten Sinne Politik. Selbst der damalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein und Eigentümer eines Wingerts in Kiedrich Björn Engholm  genoss die Gastfreundschaft der Kiedricher FDP-Frauen .Wir halfen damals der SPD Kiedrich gerne aus……  Es ging schon auch mal überparteilich … aber selten, und es war mühsam..

Es war wirklich nicht alles schön und nicht alles selbstverschuldet, was uns so widerfuhr…. Da mussten wir 1985 – 1989  als APO  in Kiedrich  4 Jahre überstehen – nicht einfach für eine überschaubare Truppe; so oft wurde uns das Totenglöcklein geläutet – wir sind aber wieder gekommen trotz Widrigkeiten:

Doris Schmidt  wirkte im Gemeindevorstand,  unsere Ehrenvorsitzende Ruth Bellinghausen wurde reaktiviert und heute…

…Heute sitzt Elke Picard-Maureau für die FDP im Gemeindevorstand, Petra Pieper und ich bilden die Fraktion. Dr.André Picard-Maureau wacht über die Finanzen.

Ein – Personen  - Fraktionen sind –gelinde gesagt- anstrengend.  Sie sind Mist!!  Aber sie härten auch ab…, machen in gewisser Weise stark ..

Wir  hatten lange große Mühe, unsere Vorstellungen, unsere Anträge, ja unsere Visionen verständlich und vor allem mehrheitsfähig zu machen, hier nur ein Beispiel : 1995 warben wir für ein Sportgelände  außerhalb der Wohnbebauung und die Nutzung des Alten Sportplatzes  als Baugelände………..2013 war es dann soweit .

Jetzt muss Kiedrich  noch arrondiert werden, der Tennisclub sollte nun auch  am Sportgelände seine neue Heimat finden…

Wir überstanden die Verkleinerung des Gemeindevorstandes und wir haben auch die Verringerung der Anzahl der Gemeindevertreter überlebt – bis heute sind Sinn und Zweck dieser Aktionen für uns wenig nachvollziehbar!

Aber, die Atmosphäre ist inzwischen eine andere, es werden tatsächlich Gemeinsamkeiten gefunden. es ist friedlicher (für Außenstehende sicher auch manchmal langweiliger) …

Blättern Sie mal in unserer zugegeben unvollständigen und möglicherweise manchmal etwas einseitigen Chronik dieser letzten 50 Jahre –  aus liberaler Sicht …!Ja, es ist friedlicher und einvernehmlicher geworden…..Und so sind unsere Ideen für die Zukunft unserer Gemeinde, die ich hier nur anreißen will, hoffentlich eher zu realisieren  als die in der Vergangenheit: Wir wünschen uns für Kiedrich ein Mehrgenerationen-Haus- eigentlich eine ganze solche Anlage-! Wir brauchen dringend eine Bleibe für unsere vielen Vereine, unsere Vision vom Kleinen Kiedricher Kulturhaus! Vor 20 Jahren hatten wir die Kiedricher Vereine schon einmal zu diesem Thema eingeladen…….lasst uns daran anknüpfen!

Wir hoffen, dass unser Vorstoß: Bildung von Anfang an, Bildungsplan 0 bis 10 in Hessen (das umfasst eben auch Kinderkrippen und KiTas) zur Länder- und Bundessache zu machen, viele Befürworter und Mitstreiter findet  und damit  die Gemeinden wirklich  entlastet und einer Kommune wie der unseren eben dann auch finanzielle Spielräume z.B. für die Realisierung eines Kulturhauses  schafft.

Da gilt es, einige dicke Bretter zu bohren, lassen Sie uns gemeinsam heute damit beginnen, von ganz unten bis weit nach oben! Dann wird was draus!

Ich danke Ihnen für Ihre Geduld!

Impressionen

50 Jahre FDP Kiedrich 2018
Rosenmontagsumzug 2004
Rosenmontagsumzug 2001
zufällig ausgewähltes Bild aus dem Fotoalbum Kiedrich